Dicke Überlebenskünstler

Wer bei dem aktuellen Hochwasser in einem betroffenen Gebiet wohnt, will sich gar nicht vorstellen, wie es nach der Flut aussehen wird: Verschlammte Straßen und schimmlige Keller werden Schäden in Millionenhöhe erzeugen. Die Landwirte scherzen mit Galgenhumor, dass sie dieses Jahr wohl besser Reis hätten pflanzen sollen. In diesen Regionen hängt man am Fenster und starrt ins trübe Braun, und auf der Fensterbank steht ein kleiner Kaktus, dem wahrscheinlich schon die Luftfeuchtigkeit zu viel ist. Die Ironie ist greifbar.
Denn dieser kleine Kaktus ist ein „Sukkulent“ und komplett auf Trockenheit gepolt. Die Bezeichnung kommt zwar vom lateinischen Wort für „saftig“, die Gruppe der Sukkulenten hat jedoch eines gemeinsam: Sie sind dicklich, weil sie in ihrem Körper Wasservorräte für lange Durststrecken gespeichert haben. Dabei kann entweder die Wurzel-, Blatt- oder Stammpartie als Reservoir dienen, auch eine Kombination ist möglich.

Intelligentes System als Überlebensgarantie

Die Sukkulenten kommen im Allgemeinen aus sehr trockenen Regionen oder solchen mit sehr unregelmäßigen Niederschlägen, wo es gilt, lange Trockenperioden zu überdauern. Um möglichst wenig Wasser durch natürliche Verdunstung zu verlieren, verkleinerten diese Pflanzen im Laufe der Evolution zunächst ihre Oberfläche: Die Blätter wurden kleiner, fleischiger oder ganz zurückgebildet, das Photosynthesezentrum verschob sich nach und nach auf den Stamm. Die Haut der Pflanzen wurde fester und wie von einer Art Wachsschicht als Isolation überzogen, um in der erbarmungslosen Hitze überleben zu können. Für die wenigen Tiere in diesen Gebieten waren die saftigen Pflanzen vor allem Leckerbissen, weshalb sich Stacheln als Verteidigung durchsetzten. Der kleine grüne Kaktus hat seine Stacheln also für die Verteidigung gegen Fressfeinde – und eigentlich nicht, um Bösewichte oder Nachbarn abzuwehren, wofür er schlussendlich Berühmtheit erlangte.

Richtige Pflege zuhause

Über lange Wege schafften es Kaktus, Aloe Vera und auch die sogenannten „Lebenden Steine“ (Gattung Lithops) bis zu uns auf die heimische Fensterbank. Das größte Problem, mit dem sie hier konfrontiert wurden, war übermäßiges Gießen, welches sie schnell faulen lässt. Idealerweise gießt man Sukkulenten beinahe nur in der Wachstumsphase, also jener Phase, wo im Herkunftsland der Pflanze eigentlich Regenzeit wäre. Die Herkunftsinformation finden sie auf dem Pflanzenkärtchen oder beim Gärtner. In dieser Zeit benötigen sie dann etwas weniger Wasser als normale Zimmerpflanzen, in der ergänzenden Ruhephase jedoch gerade noch genug, um sie nicht auszutrocknen zu lassen. Zum Düngen reicht ein niedrig-konzentrierter Flüssigdünger, der etwa zweiwöchentlich in der Hauptwachstumszeit beigegeben wird. Für gleichmäßiges Wachstum kann man die Sukkulenten alle paar Tage einmal ein Stück weiter drehen.
Als Standort verlangen die meisten der kleinen Dickerchen übrigens die sonnigsten Fenster im Haus – welche allerdings durch die langen Regenfälle zur Rarität verkommen sind.

Text: mh

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