Die indische Lotosblüte Nelumbo nucifera. | Quelle: © T. Voekler

Der Lotus legt großen Wert auf Sauberkeit

Der Lotus, auch Lotos genannt, hält sich sauber und rein. Durch seine wasserabweisende Oberfläche fließen Tropfen nicht in Strömen an ihm herab, sondern behalten ihre Form bei. Wie nebenbei nehmen sie Schmutz und Staub auf den Lotusblättern in sich auf, bevor sie auf den Boden tropfen. So hält er sich sauber und verhindert Pilzbefall und ähnliche Probleme. Die Wissenschaft hat sich in den 70er Jahren dem Phänomen genauer angenommen, heutzutage gibt es in der Universität in Tokio sogar ein eigenes Lotus-Forschungszentrum. Selbstreinigendes Glas, Schwimmanzüge, Markisen, Segel und Kleidung, die nicht schmutzig wird, wurden seither aus dem Prinzip Lotus entwickelt. Leider wurden die wasserabweisenden Schwimmanzüge aber schnell wieder für Wettkämpfe verboten, weil sie zu erheblichen Vorteilen führten.

Der Lotus in Küche und Symbolik

Die seltsam anmutenden Früchte der Lotuspflanze. | Quelle: © Kenpei

Wie man es von einem echten Allrounder erwartet, findet sich der Lotus auch in der asiatischen Küche. Dort gilt der Lotus wegen seiner Fähigkeit, sich vom Schmutz zu befreien, als Symbol für Reinheit und Treue. In China ist der Lotus außerdem Zeichen einer guten Ehe. Der Buddhismus verweist auf ein weiteres schönes Bild: Auch wenn seine Wurzeln tief in Schlick und Schlamm begraben liegen, erblüht der Lotus an der Oberfläche in voller Pracht.
Gegessen werden Wurzeln (z.B. in Essig eingelegt, mit Ingwer und Zitrone), Stengel, Samen und Früchte. Mit den Blättern werden Speisen traditionell zum mitnehmen verpackt. Die getrocknete Frucht dient als Kalligraphie-Pinsel und aus den Samen werden Gebetsketten hergestellt.

Die Lotusseide, ein Luxusprodukt aus Myanmar

Eine weitere, weniger bekannte Art der Nutzung, ist die Lotusseide. Die Produktion erfolgt nur in Myanmar. Am Inle-See arbeiten etwa 500 Weberinnen, die zum Ende der Regenzeit ihre Arbeit aufnehmen. Die zwei bis drei Meter langen Stängel werden geernet und das Endstück abgeknickt und abgezogen, bis die feinen Fasern zutage treten. Aus den Fasern wird ein Faden hergestellt, aus dem schlussendlich der fertige Stoff gewebt wird. Eine Weberin schafft dabei nur etwa 90 Gramm Faden täglich. Der Stoff wird von buddhistischen Mönchen getragen, seit neustem aber auch durch ein italienisches Modelabel vertrieben: Der Preis für ein maßgeschneidertes Sakko beträgt etwa 6500 US-Dollar. Die Lotusseide ist leicht und atmungsaktiv und hat die wasserabweisenden Fähigkeiten der schönen Lotusblüte. Und mit etwas Glück verhilft es auch zu einer guten Ehe.

Text: mh

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