Der Beginn einer Bewegung

Nach anfänglichen Kunstaktionen, die mit Bepflanzung zu tun hatten, fand die erste „wirkliche“ Guerilla Gardening Aktion im Jahr 2000 in London statt, als sich eine Horde von Umweltaktivisten und Anarchisten auf einem viel befahrenen Platz traf und das Umgraben und Bepflanzen anfing.

Die Guerilla-Kriegstaktik ist eigentlich eine Kampfstrategie, die keinen offenen Krieg anstrebt, sondern punktuell zuschlägt und sich dann schnell getarnt zurückzieht. Auf lange Sicht besteht so die Hoffnung, den Gegner erheblich zu schwächen. Auch wenn die Kämpfe meist in ländlichem Terrain stattfinden, hat das ganze mit Gärtnern erst einmal nicht viel zu tun. Die Parallelen liegen beim Vermeiden des offenen Konflikts und bei der Tarnung von Aktionen, die des Öfteren nachts stattfinden.

Warum eigentlich?

Warum also machen sich so viele Leute die Hände schmutzig, um etwas mehr Grünzeug in der Stadt zu sehen? Die Gründe, die die Leute bewegen, sind verschiedenartig. Zunächst kann es, als Aktion organisiert, zu einem tollen Gruppengärtnern werden. Andererseits sieht es einfach klasse aus, wenn zuvor karge Stellen ergrünen und aufblühen, sogar eine psychische Wirkung von Lebensraum und Architektur auf den Menschen ist erwiesen. Auch eine politische Absicht bringen manche Guerilla-Gärtner mit, die die Pflanzaktionen als Revolution gegen einseitige Monokulturen und das Spießbürgertum betrachten. Das Wichtigste – die Umwelt wird dabei ins Zentrum gestellt, um eine klare Botschaft an die Gemeinde zu senden: mehr Grün, weniger Beton. Denn selbst der lässt sich begrünen. Mit einem Püree aus Moos und Buttermilch entstehen grüne Wände und sogar Wandmalereien, die sich ausbreiten, wenn gute Wachstumsbedingungen vorliegen. Eine andere „Waffe“ der Guerilla-Gärtner ist die Samenbombe, eine gefüllte Erdkugel die nur halb so gefährlich ist, wie sie klingt. In der Herstellung sehr simpel kann sie an unzugängliche Plätze geworfen oder unauffällig fallen gelassen werden – eine Guerilla-typische Vorgehensweise.

Warum eigentlich nicht?

Stadtbegrünung klingt zwar eigentlich toll, ist aber eigentlich eben der Stadt vorbehalten. Weil die Grundstücke oft ohne Zustimmung von Eigentümer oder Pächter dauerhaft durchs Gärtnern verändert werden, handelt es sich um eine Straftat und gilt theoretisch als Sachbeschädigung. In der Praxis jedoch sind viele Städte froh über die unerwartete Unterstützung, weil ihr Budget zur grünen Stadtgestaltung besonders in Krisenzeiten oft nicht ausreicht. Manchmal nehmen die Gemeinden sogar eine Pflanzaktion als Anstoß, an den bepflanzten Plätzen selbst mitzuarbeiten und die Stellen zu pflegen.
Vielleicht wird die Politik zum Guerilla Gardening in den nächsten Jahren also noch einmal überdacht. Dann wird es vielleicht ein großer Spaß für Jung und Alt sein, gemeinsam Samenbomben zu basteln und am Stadtbild aktiv mitzuwirken – ganz ohne Formulare und Anträge.

Text: mh

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