Der Friedhof für Unbekannte in Hakodate, Japan.

 

„Gärtner in Fachrichtung Friedhofsgärtnerei“ – Ist das wirklich so gruselig?

Zugegeben – sich auf Partys als Friedhofsgärtner vorzustellen, erfordert eine gewisse Risikobereitschaft. Immer noch sind Friedhöfe für viele Menschen kein Ort der Ruhe und des Gedenkens, sondern erinnern sie an offen gelebte Trauer oder Schauergeschichten aus der Kindheit. Der Friedhof als Arbeitsort, an dem man einen großen Teil seiner Zeit verbringt? Das kann sich kaum einer vorstellen. Mittlerweile genau vorstellen können es sich die knapp 200 Ausbildungsanfänger von 2011, die 2014 ihre dreijährige Ausbildung absolviert haben werden. Und wer sich erst einmal an den Gedanken gewöhnt hat, Gräber zu gestalten und zu verwalten, entdeckt vielleicht auch die andere, viel wichtigere Seite der Friedhofsgärtnerei: Ästhetik und Kommunikation.

Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner

Die Kundengespräche, die man als Friedhofsgärtner zu führen hat, sind nicht immer leicht. Auch wenn das Trösten der frisch verwaisten Angehörigen beim Besprechen der Grabgestaltung eher selten anfällt, muss der Service doch mit mehr Einfühlsamkeit angegangen werden als in einer Baumschule. Einfühlungsvermögen und ein ausgeprägter Sinn für Ästhetik sind von Vorteil, wenn es um die Ausbildung zum Friedhofsgärtner geht. Ebenfalls nützlich können gute Leistungen in Biologie (Wissen über Pflanzen) und Mathematik (Flächenberechnung, Preisbildung) sein. Wer sich auf Friedhöfen unwohl fühlt, entscheidet sich besser für eine andere Fachrichtung des Gärtnerns. Theoretisch wird für die Ausbildung zum Friedhofsgärtner kein Schulabschluss verlangt, in der Praxis aber ist ein Hauptschulabschluss erforderlich.

„Sind Friedhofsgärtner wirklich den ganzen Tag auf dem Friedhof?“

Es gab sicher schon Fälle, in denen Akten, Quittungen und Rechnungen auf dem Friedhof verwaltet wurden, im Regelfall aber ziehen sich die Friedhofsgärtner dafür ins Büro zurück. Sie arbeiten in Friedhofsgärtnereien oder wie Floristen im Einzelhandel mit Blumen, je nachdem, wo ihr beruflicher Werdegang sie hin verschlägt. Ihre Aufgaben beginnen bei der Produktion und Pflege von geeigneter Bepflanzung für Grab und Friedhof und führen weiter über die emotional anspruchsvolle Kundenberatung („Welche Bepflanzung passt zum Lebensstil des Verstorbenen?“) bis hin zur angemessenen Dekoration. Die Berufe rund um die Bestattung sind zwar noch nicht völlig in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sind aber auf dem besten Weg dorthin. So findet sich zum Beispiel schon ein „Bestatterweblog“ online, der mit den gängigsten Klischees aufräumt. Vielleicht wird es dann auf der nächsten Party also so klingen: „Ich bin Friedhofsgärtner.“ – „Achso, was macht man denn da?“

Text: mh

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