Orchidea Laeliocattleya | Quelle: © Arne und Bent Larsen

Überall zuhause – die Artenvielfalt der Orchidee

Zunächst einmal „die Orchidee“, also die typische, einzige Orchidee, gibt es nicht. Die Vielfältigkeit von Orchideen ist atemberaubend: 15.000 bis 30.000 Arten sind bereits von Botanikern offiziell anerkannt, nicht zu vergessen zahlreiche neue Kreuzungen, denen diese Bestätigung noch nicht zuteil wurde. Tropische Orchideen blühten 1615 in Holland erstmals in europäischen Gefilden auf und werden seitdem mehr und mehr verehrt. Die Orchideenarten gibt es in allen möglichen Farben und Formen, nur einige Merkmale sind fix. Durch diese Variabilität gibt es sogar Exemplare, die auf allen Kontinenten (außer der Antarktis) leben. Die meisten Arten finden sich in Lateinamerika und im tropischen Asien. Die Bestände der verschiedenen Arten sind vermutlich stark gefährdet, verlässliche Daten sind aber kaum vorhanden. Unkontrolliertes Sammeln und die Abholzung der Regenwälder lassen die natürlichen Vorkommen weiter dramatisch sinken.

Mehr als nur schön: Die Verwendung der Orchideen weltweit

Paphiopedilum acmodontum | Quelle: © Dalton Holland Baptista

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Orchideen seien zwar schön, aber nutzlos, ist die Verwendung der verschiedenen Arten genauso facettenreich wie die Pflanze selbst. Im europäischen Raum ist die Bedeutung der Orchidee als Zierpflanze, aus der sich in den letzten Jahrzehnten Kreuzungsfreude und Massenproduktion entwickelt hat, ungebrochen – in anderen Teilen der Erde aber finden viele Arten zu einer höheren Bestimmung. Man verwendet sie als Gewürz, Tee, Parfum oder Tabak. In der Türkei wird sogar aus den Wurzelknollen einer Orchidee ein Aroma genommen, das Speiseeis ein besonderes Aroma gibt. Unter den „mehr-als-schönen“ Arten kommen auch eher ungewöhnliche vor. Eine bestimmte Art, die oft unsere europäischen Fensterbretter ziert, wird auch von einem in Mexiko beheimateten Indianerstamm bei Gelegenheit gerne genutzt: Als Quelle für ein Halluzinogen, mit dem sie sich in Rauschzustände versetzen. Wir wünschen viel Vergnügen und genießen unsere Exemplare lieber äußerlich.

Eine Kunst für sich: Die richtige Pflege einer Orchidee

Orchideen werden nicht umsonst die „Königinnen unter den Blumen“ genannt. Würden Sie etwa einer Königin kalte Dosensuppe vorsetzen? Natürlich nicht. Um den Ansprüchen dieser Königin gerecht zu werden, bedarf es viel Talent. Zwar haben alle Orchideenarten ihre Unterschiede bei der Pflege (gleich beim Kauf im Blumenhandel erfragen), generell lassen sich aber ein paar Regeln festhalten. Diese wären in Kurzfassung – keine Zugluft am Standort, keine Hitze, kein direktes Sonnenlicht. Übrig bleiben deshalb Fensterplätze auf der Ost- oder Westseite, wo sich die Schönheit gut entwickeln kann. Gießen (bitte nach Verwendung eines Kalkfilters) gehört zur Pflege auch nur in geringem Umfang dazu, im Winter darf es noch ein bisschen weniger sein. Das Düngen wird in der Ruhephase komplett ausgesetzt. In der Wachstumsphase kann mit einem speziellen Orchideendünger großzügig gedüngt werden. Und wer sich für seine schönen Königinnen gleich noch ein bisschen mehr aufopfern will, stellt das Thermostat im Winter ein paar Grad nach unten und wird im Sommer mit prachtvollen Blüten belohnt.

Text: mh

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