Überraschend schön: Moos auf Quarzgestein. | Quelle: © Tigerente

Unauffällig aber nicht unwichtig: Moose in ihrem Ökosystem

Obwohl es auch unter Wasser einige Moose gibt, gelten Moose gemeinhin als grüne Landpflanzen. Ursprünglich, und das heißt vor sehr, sehr langer Zeit (das älteste Moos-Fossil ist 350 Millionen Jahre alt), haben sich die Moose aus den Grünalgen entwickelt. Manche sehen ihnen heute noch ein bisschen ähnlich, auch wenn sie den Sprung vom Wasser an Land bravourös gemeistert haben und sich gut an die neuen Lebensräume angepasst haben. Mit der Konkurrenzfähigkeit um Licht für die Fotosynthese sieht es schlecht aus: Weil Moose niedrig und langsam wachsen, haben sie wenig Chancen gegenüber ihren Nachbarpflanzen. Deshalb weichen sie auf Standorte aus, wo die hohen Pflanzen nicht gedeihen: Felsen, Rinde und dunkle Waldböden.

Im Ökosystem bringen Moose Nährstoffe aus dem Niederschlag in den Nährstoffkreislauf der Pflanzen. Einige Moose können sogar Nebel ausfiltern und Niederschlag speichern. Manche Arten fangen kleine Wimperntierchen, werden aber deshalb nicht gleich zum Fleischfresser: Zum Verdauen fehlen ihnen die richtigen Enzyme.

Der Mensch gefährdet viele Moos-Arten

Ein Querschnitt durch die Zellen von Leuchtmoos, das Licht besonders eindrucksvoll reflektiert.

Weil Moos-Arten kaum bis keine Wurzeln ausbilden, erhalten sie ihre Nährstoffe größtenteils über den Niederschlag, der auf sie herunterfällt. Im Niederschlag befinden sich Staub und andere im Wasser gelöste Stoffe, die ihnen als Lebensgrundlage dienen. Eigentlich sind Moose sehr robust – sie können das Einfrieren in flüssigem Stickstoff überleben (ca. – 200°C) und das Erhitzen auf bis zu 110 Grad. Weil sie aber vom Niederschlag so abhängig sind, fügt ihnen der Mensch durch Luftverschmutzung erheblichen Schaden zu. Genauso verhält es sich mit der Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, die ihren Lebensraum zerstört. All dies bedroht zahlreiche Moos-Arten. Alleine in Deutschland sind bereits 54 Arten ausgestorben, weitere 335 sind mäßig bis stark bedroht. Ein Hoffnungsschimmer: Wo sich die Luftqualität wieder verbessert, kehren die Moose wieder zurück.

Moose sind nützlich: Als Graffiti oder Öko-Windel

Wer hätte gedacht, dass sich die flauschigen grünen Moose zu mehr eignen, als Krippen damit auszulegen? Auf feuchtem Moos können Pflanzen verschickt werden, trockenes diente als Polster für zerbrechliche Ware. Eine Art trägt den Namen „Schlafmoos“, weil früher Matratzen damit befüllt wurden. In der Floristik eignen sich Moose als schöne Dekoration, wirtschaftlich nützlich machen sich besonders die Torfmoose als Brennstoff. In Japan wird Moos als kleines Gärtchen in Bonsai-Pflanzschalen angelegt. Wegen der antimikrobiellen Wirkung diente Moos im Ersten Weltkrieg als Wundkompresse, als Pflanze der Volksmedizin und bei einigen Naturvölkern sogar als Babywindel. Bestimmte Moose dienen als „Bioindikatoren“, das heißt, sie können Luftverschmutzung, saure Gewässer oder sogar Schwermetallbelastung in ihrem Ökosystem anzeigen. Moose sind jedoch nicht nur nützlich, sondern auch einfach nur schön – zum Beispiel als Moos-Graffitis.

Text: mh

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